Archiv der Kategorie 'Allgemein'

Nachtrag zum libertären Aktionstag in Jena

Es ist Sonntagnachmittag, zwei Menschen kämpfen sich mit einem vollbepackten Handwagen durch die verschneiten und beinahe menschenleeren Straßen von Jena. Ihr Ziel – der libertäre Aktions- und Informationstag im Haus unterm Kassablanca. Uns empfing ein kuschelig warmer Ofen und nach einem heißen Kaffee war auch fix der Siebdruckstand, neben dem reichhaltigen Auslagen des Bücherstands, aufgebaut.
Im Laufe des Nachmittags finden trotz Kälte, Schnee und sonntäglicher Ruhe etwa 30 bis 40 Menschen den Weg zur Veranstaltung. Der Siebdruckstand und die Möglichkeiten, Geldbeutel aus Tetrapacks zu basteln, wurden rege genutzt und auch am Ofen kamen Menschen ins Gespräch oder vertieften sich bei einem heißen Getränk in eines der Bücher oder Infohefte. Als die Lesung mit Sebastian Kalicha begann, füllten sich auch schnell die Matratzen und Sofas im Keller. Nach zwei Stunden Lesung und Diskussion, gab es nochmals eine kurze Pause, ehe Herr Niemand aus Leipzig die Verbliebenen mit eigenen Songs beschallte und so den Tag abschloss.
Hier gibt es einen Audiomitschnitt der Lesung (allerdings aus Münster)

Für eine radikale Perspektive: ¡vamos! – Netzwerk für eine radikale Linke gegründet

Seit kurzem entsteht in Jena ein neuer Zusammenschluss aktiver Menschen. Unter dem Namen „¡vamos! – Netzwerk für eine radikale Linke“ soll, wie der Name schon vermuten lässt, ein offenes Netzwerk von politischen Gruppen und Einzelpersonen aus Jena und Umgebung entstehen. Der hohe aber motivierende Anspruch ist die Isolierung linksradikaler Politik zu überwinden und am Aufbau einer breiten antikapitalistischen Bewegung mitzuwirken.

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19.6.2010 Vortrag: Die neoliberale Stadt

Universitätshauptgebäude (Fürstengraben 1, Jena), Hörsaal 250, 18Uhr

Die neoliberale Stadt
Sicherheit Kontrolle – Räume der Konsumtion – Gentrification

Stadt und städtische Entwicklungen werden unter der Bedingung neoliberaler Ökonomie als Fragmentierung wahrgenommen. Integrative Momente haben anscheinend ausgedient. Auf einer ökonomischen, politischen, kulturellen und sozialen Ebene findet eine Neuaushandlung sozialer Verhältnisse statt. Daraus resultiert eine neue Spaltung des städtischen Raumes.
Die Restrukturierung des städtischen Raumes soll an verschiedenen städtischen Diskursen dargestellt werden: die Privatisierung öffentlicher Räume, Sicherheit und Kontrolle, neue Räume der Konsumtion (z.B. Shoppingmalls) und Gentrification städtischer Wohnquartiere.

Referent: Jürgen Mümken (Infos)
Lageplan des Hörsaals 250

Vortragsflyer

Jena: Lichtstadt zerfeiern!

Wem gehört die Stadt? Denjenigen, die es sich leisten können … oder etwa allen? Vielleicht lohnt es sich, diese Frage öfter zu stellen….
Jena ist eine ostdeutsche Stadt ganz besonderer Art. Gekennzeichnet durch einen überdimensionalen Parkplatz als „Stadtzentrum“, allgegenwärtigen Beton und die Abwesenheit öffentlicher Räume, die zum Verweilen einladen. Stattdessen der Traum moderner Stadtentwickler_Innen: schicke Glasfassaden, moderne Appartementwohnblocks im Innenstadtbereich, Café-Ketten, bestens ergänzt durch Parkhäuser. Die Message ist klar: wer leben will, muss kaufen. Und wer nicht kaufen kann, muss draußen bleiben.

Unterdessen hat die Wohnungsnot in Jena drastische Ausmaße angenommen. Preisgünstige Wohnräume sind eine vom Aussterben bedrohte Spezies – fragt die Studierenden vom Zeltplatz oder die Armada von Rentner_Innen, welche die explodierenden Mieten durch nächtliches Flaschensammeln auf der Kneipenmeile gegenfinanzieren müssen. Alte Wohnungen werden saniert – und an Besserverdienende weitergegeben. Neue Häuser werden gebaut – sie enthalten teure Eigentumswohnungen. Hingegen machten mehrere bei alternativen Menschen beliebte Wohnhäuser in letzter Zeit Bekanntschaft mit dem Abrissbagger.

Die öffentlich zu hörenden Stimmen präsentieren Jena als sauberen, modernen Stadtentwurf, den „Leuchtturm des Ostens“. Gesäubert von Menschen, welche nicht willig oder nicht in der Lage sind, sich dem Massenkonsum und der Logik der Verwertung anzuschließen.

Am Abend des 5. Februars (ein Freitag) waren in Jena auch andere Stimmen zu hören – diejenigen, welche die Stadt nicht den Investor_Innen, den Kaufwütigen und den Verfechter_Innen einer kalten, betonierten Welt überlassen wollen. Diejenigen, welche Raum für sich und ihre Träume einfordern. Auf diese Weise „besetzten“ einige Leute für mehrere Stunden die im Zentrum gelegene Sparkassenfiliale als Austragungsort ihres Maskenballs. Für angemessene Beschallung sorgte DJ Kassettenrekorder (an der Beleuchtungsanlage dagegen sollte beim nächsten Mal noch gearbeitet werden). (mehr…)